Ratgeber für Fachexperten
Bewerbung als IT-Spezialist in der Schweiz: Lebenslauf, Projektliste, Zertifikate
Bei einer IT-Bewerbung in der Schweiz zählen drei Fragen: Was haben Sie gebaut oder betrieben, mit welchen Technologien, und wer bestätigt das? Ein gutes Dossier besteht deshalb aus einem tabellarischen Lebenslauf von ein bis zwei Seiten, einer Projektliste mit Rolle, Ergebnis und Technologie-Stack, Ihren Abschlüssen und Zertifikaten sowie lückenlosen Arbeitszeugnissen. Ein Zeugnis können Sie jederzeit verlangen, das steht im Obligationenrecht (Art. 330a OR). Hier lesen Sie, wie Sie Projekte und Zertifikate zeigen, ohne Geheimnisse Ihres Arbeitgebers preiszugeben.
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Was in ein IT-Bewerbungsdossier gehört
Zu einem Bewerbungsdossier gehören laut der Berufsberatung Graubünden in der Regel das Bewerbungsschreiben, der Lebenslauf, Arbeits- und Schulzeugnisse sowie allfällige Referenzen. Für IT-Fachleute ist in der Praxis eine Projektliste sinnvoll, weil sie zeigt, was der Lebenslauf nur in Stichworten sagen kann.
- Bewerbungsschreiben: möglichst eine A4-Seite, auf das Inserat bezogen. Greifen Sie die Stichwörter aus der Ausschreibung auf, also die Technologien und Aufgaben, die dort genannt sind.
- Lebenslauf: tabellarisch, mit Kurzprofil und Technologie-Stack.
- Projektliste: als eigene Beilage, sobald Sie mehrere Jahre Erfahrung haben.
- Arbeitszeugnisse: für jede Stelle, neueste zuerst.
- Diplome und Zertifikate: eidgenössische Abschlüsse, Hochschulabschlüsse, Herstellerzertifikate. Bei ausländischen Diplomen legen Sie eine vorhandene Anerkennung bei, siehe Hochschulabschluss in der Schweiz anerkennen lassen.
Ihre Lohnvorstellung nennen Sie nur, wenn das Inserat danach fragt. Wie Sie die Zahl festlegen, lesen Sie im Ratgeber Lohnverhandlung für Fachexperten.
Der Lebenslauf: Aufbau nach Schweizer Gepflogenheiten
Die Berufsberatung Graubünden beschreibt den Lebenslauf als lückenlose tabellarische Aufzählung. Üblich sind ein bis zwei Seiten, bei langer Erfahrung teilweise bis drei.
- Personalien: Name, Adresse, Telefon, E-Mail und Geburtsdatum. Nationalität beziehungsweise Aufenthaltsbewilligung sowie Zivilstand sind freiwillige Angaben.
- Foto: Die Berufsberatung Graubünden empfiehlt ein professionelles Bewerbungsfoto, im Lebenslauf oder auf einem Deckblatt.
- Berufserfahrung: neueste Stelle zuoberst, mit Monat und Jahr, Funktion, Firma und Ort. Lücken zeigen Sie offen, etwa Weiterbildung, Sprachaufenthalt oder Stellensuche.
- Ausbildung: ebenfalls rückwärts. Liegt die Schulzeit lange zurück, genügen Schule, Ort und Abschluss.
- IT-Kenntnisse: mit Niveau, so empfiehlt es auch die Berufsberatung Graubünden.
Persönliche Angaben, die mit der Stelle nichts zu tun haben, gehören nicht in den Lebenslauf. Das Gesetz erlaubt dem Arbeitgeber ohnehin nur, Daten zu bearbeiten, die Ihre Eignung für die Stelle betreffen oder für den Arbeitsvertrag nötig sind (Art. 328b OR). Religion, Gesundheit oder Parteizugehörigkeit lassen Sie also weg.
Kurzprofil und Technologie-Stack
Oben im Lebenslauf stehen drei bis vier Zeilen Kurzprofil: Ihre Rolle, Ihre Jahre Erfahrung, Ihr Schwerpunkt und ein Ergebnis, auf das Sie stolz sind. Darunter folgt der Technologie-Stack.
Ordnen Sie den Stack nach Gruppen, etwa Programmiersprachen, Frameworks, Cloud und Plattformen, Datenbanken, Werkzeuge sowie Methoden. Statt Sternen oder Balken schreiben Sie, wie lange und wie kürzlich Sie eine Technologie genutzt haben, zum Beispiel «Java, 8 Jahre, zuletzt 2026». Das ist nachprüfbar und zeigt, ob Ihr Wissen aktuell ist. Führen Sie nur auf, was Sie im Gespräch erklären können, denn im Fachgespräch wird oft genau danach gefragt.
Die Projektliste: Rolle, Ergebnis, Stack
Die Projektliste zeigt, woran Sie gearbeitet haben, was Ihr Anteil war und was herauskam. Eine Zeile pro Projekt, neuestes zuerst:
| Zeit | Projekt | Rolle | Stack | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 2024–2026 | Kernanwendung in die Cloud migriert (Versicherung) | Lead Developer, Team von 6 | Java, Spring Boot, Kubernetes, Azure | Releases wöchentlich statt quartalsweise |
| 2022–2023 | Kundenportal neu gebaut (Bank) | Backend-Entwickler | Kotlin, PostgreSQL, Kafka | Portal termingerecht live, ohne Ausfall beim Umstieg |
| 2021 | Monitoring vereinheitlicht (IT-Dienstleister) | DevOps Engineer | Prometheus, Grafana, Terraform | eine Übersicht statt drei Werkzeugen |
Beispiel, frei erfunden.
- Rolle in der Ich-Form: Schreiben Sie, was Sie selbst getan haben, nicht was «wir» erreicht haben. Führung, Architekturentscheide oder Schulung von Kollegen gehören dazu.
- Ergebnis: eine Zahl, wo Sie sie belegen können, sonst eine klare Wirkung. Erfinden Sie keine Prozentwerte.
- Stack: die wichtigsten Technologien des Projekts, nicht alle, die je im Spiel waren.
- Umfang: fünf bis zehn Projekte genügen meist, ältere fassen Sie zusammen.
Arbeiten Sie selbständig, bitten Sie Auftraggeber um ein kurzes Referenzschreiben.
Zertifikate und Abschlüsse: was zählt
In der Schweiz unterscheiden Arbeitgeber zwei Arten von Nachweisen. Eidgenössische Abschlüsse sind im Berufsbildungsgesetz geregelt und im Berufsverzeichnis des SBFI aufgeführt. Herstellerzertifikate bestätigen Wissen zu einem bestimmten Produkt oder einer Methode. Beide haben ihren Platz, sie ersetzen sich aber nicht.
| Stufe | Abschluss | Beispiele ICT |
|---|---|---|
| Lehre | EFZ | Informatiker/in EFZ (vier Jahre), ICT-Fachfrau/ICT-Fachmann EFZ |
| Fachausweis | Berufsprüfung | ICT-Application Development Specialist, ICT-Platform Development Specialist, Cyber Security Specialist, Wirtschaftsinformatiker/in |
| Diplom | Höhere Fachprüfung | ICT-Manager/in, Information Security Manager |
| HF | Höhere Fachschule | Dipl. Informatiker/in HF |
| Hochschule | FH, Uni, ETH | Bachelor oder Master in Informatik oder Wirtschaftsinformatik |
| Hersteller | Zertifikat | Cloud, Netzwerk, Datenbanken, Methoden |
Quellen: ICT-Berufsbildung Schweiz, berufsberatung.ch, SBFI. Welche eidgenössischen Prüfungen es gibt, zeigt das Berufsverzeichnis des SBFI, die ICT-Abschlüsse beschreibt ICT-Berufsbildung Schweiz.
Neu seit 1. Oktober 2026: Titelzusätze. Wer einen eidgenössischen Fachausweis oder ein Diplom HF hat, darf den Zusatz «Professional Bachelor» führen, wer ein eidgenössisches Diplom einer höheren Fachprüfung hat, den Zusatz «Professional Master». Das gilt unabhängig vom Abschlussjahr. Der Zusatz steht nach dem geschützten Titel, durch ein Komma getrennt (SBFI). Im Lebenslauf heisst das zum Beispiel: «Cyber Security Specialist mit eidg. Fachausweis, Professional Bachelor». Die Einzelheiten stehen in den FAQ des SBFI zu den Titelzusätzen.
Herstellerzertifikate richtig angeben: genauer Name des Zertifikats, Hersteller, Jahr. Hat das Zertifikat ein Ablaufdatum, schreiben Sie «gültig bis». Bietet der Hersteller eine Prüfadresse an, setzen Sie den Link dazu. Abgelaufene Zertifikate kennzeichnen Sie als abgelaufen. Welche Weiterbildung sich für Ihren nächsten Schritt lohnt, beschreibt der Ratgeber Weiterbildung für Fachexperten.
Arbeitszeugnisse: Ihr Recht nach Art. 330a OR
Arbeitszeugnisse sind in der Schweiz ein fester Teil der Bewerbung. Die Berufsberatung Graubünden empfiehlt, jede Tätigkeit im Lebenslauf lückenlos mit einem Zeugnis zu belegen. Rechtlich gilt:
- Vollzeugnis jederzeit: Sie können vom Arbeitgeber jederzeit ein Zeugnis verlangen, das Art und Dauer der Anstellung sowie Ihre Leistungen und Ihr Verhalten beschreibt (Art. 330a Abs. 1 OR).
- Arbeitsbestätigung: Auf Ihren ausdrücklichen Wunsch beschränkt sich das Zeugnis auf Art und Dauer der Anstellung (Art. 330a Abs. 2 OR). Das kann sinnvoll sein, wenn eine Stelle schlecht endete. Eine blosse Bestätigung sagt aber nichts über Ihre Leistung aus. Rechnen Sie damit, im Gespräch danach gefragt zu werden.
- Zwischenzeugnis: Weil das Gesetz «jederzeit» sagt, können Sie auch während der Anstellung ein Zeugnis verlangen, etwa bei einem Wechsel der vorgesetzten Person, einer Reorganisation oder vor einem Stellenwechsel.
Bitten Sie Ihren Arbeitgeber, die wichtigsten Projekte und Technologien ins Zeugnis zu schreiben. Dann bestätigt es Ihre Projektliste. Ausländische Zeugnisse legen Sie in der Originalsprache bei, bei seltenen Sprachen mit Übersetzung.
Sprachen: GER-Niveau und Englisch
Geben Sie jede Sprache mit Niveau an, dazu Sprachzertifikate und Sprachaufenthalte, falls vorhanden. Statt «gut» oder «sehr gut» verwenden Sie die sechs Stufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens, von A1 bis C2. Mit dem Raster von Europass schätzen Sie Ihr Niveau für Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben selbst ein.
Ist das Inserat auf Englisch, schicken Sie Bewerbungsschreiben und Lebenslauf auf Englisch, sonst wählen Sie die Sprache des Inserats. Deutschkenntnisse nennen Sie in der Deutschschweiz trotzdem, denn mit Fachbereichen, Kunden oder Behörden wird oft Deutsch gesprochen.
GitHub, Portfolio und Datenschutz bei Projekten
Ein gepflegtes Profil auf GitHub oder GitLab, eigene Open-Source-Beiträge oder ein Portfolio zeigen, wie Sie arbeiten. Setzen Sie den Link in den Kopf des Lebenslaufs, aber nur, wenn die gezeigten Projekte aktuell sind und eine verständliche Beschreibung haben.
Was Sie nicht zeigen dürfen: Geheim zu haltende Tatsachen, namentlich Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse, dürfen Sie während der Anstellung weder verwerten noch weitergeben. Auch nach dem Austritt bleiben Sie zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit es die berechtigten Interessen des Arbeitgebers verlangen (Art. 321a Abs. 4 OR). Für Bewerbungen heisst das:
- Keinen Code, keine Architekturbilder und keine Screenshots aus Firmen- oder Kundenprojekten, ausser mit ausdrücklicher Erlaubnis.
- Keine Personendaten, Zugangsdaten, internen Systemnamen oder bekannten Sicherheitslücken.
- Kunden anonym beschreiben, etwa «Schweizer Krankenversicherer» statt des Namens, ausser der Kunde ist öffentlich als Referenz genannt.
Was nach einer Kündigung sonst noch gilt, etwa ein Konkurrenzverbot, steht im Ratgeber Kündigung und Konkurrenzverbot.
So läuft die Bewerbung über fachexperten-jobs.ch: Sie legen Ihr Profil einmal an: Lebenslauf hochladen, wir lesen ihn aus, Sie ergänzen Ihre Angaben und bestätigen Ihre E-Mail-Adresse. Danach erhalten Sie weitere passende Stellen per E-Mail und bewerben sich mit einem Klick; das Motivationsschreiben können Sie vor dem Absenden anpassen. Für Sie ist das kostenlos. Ein Honorar zahlt nur das Unternehmen, und zwar erst, wenn ein Arbeitsvertrag zustande kommt.
Checkliste
- Lebenslauf ein bis zwei Seiten, neueste Stelle oben, mit Monat und Jahr
- Kurzprofil und Technologie-Stack mit Jahren und letzter Nutzung
- Projektliste mit Rolle, Ergebnis und Stack, Kunden anonymisiert
- Alle Arbeitszeugnisse dabei, fehlende nachgefordert
- Abschlüsse mit genauem Titel und Titelzusatz, Zertifikate mit Jahr und Gültigkeit
- Sprachen mit GER-Niveau
- GitHub oder Portfolio geprüft, nichts Vertrauliches sichtbar
- Alles als PDF mit sprechenden Dateinamen, Beilagen sinnvoll gebündelt
Stand Oktober 2026, ohne Gewähr. Im Einzelfall gelten Ihr Arbeitsvertrag und das Obligationenrecht.
Offene Stellen finden Sie unter IT und Software und IT-Infrastruktur und Telekom, alle Berufsgruppen unter Jobs entdecken. Fragen zu Ihrer Bewerbung beantworten wir über den Kontakt.
Häufige Fragen zur Bewerbung als IT-Spezialist in der Schweiz
Gehört ein Foto in den Lebenslauf?
Verlangt ist es nicht. Die Berufsberatung Graubünden empfiehlt aber ein professionelles Bewerbungsfoto, im Lebenslauf oder auf einem Deckblatt. Verwenden Sie kein Selfie und kein Ferienbild.
Zählen Herstellerzertifikate so viel wie ein eidgenössischer Abschluss?
Nein, es sind zwei verschiedene Nachweise. Eidgenössische Abschlüsse wie ein Fachausweis oder ein Diplom sind staatlich geregelt und im Berufsverzeichnis des SBFI aufgeführt. Herstellerzertifikate belegen Wissen zu einem Produkt oder einer Methode. Für eine Stelle mit klarer Technologie können sie trotzdem den Ausschlag geben.
Darf ich «Professional Bachelor» in den Lebenslauf schreiben?
Ja, wenn Sie einen eidgenössischen Fachausweis oder ein Diplom HF haben. Seit dem 1. Oktober 2026 dürfen Sie den Zusatz nach dem geschützten Titel führen, durch ein Komma getrennt, unabhängig vom Abschlussjahr. Für ein eidgenössisches Diplom einer höheren Fachprüfung gilt «Professional Master» (SBFI).
Kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen, ohne gekündigt zu haben?
Ja. Nach Art. 330a Abs. 1 OR können Sie jederzeit ein Zeugnis verlangen. Begründen müssen Sie das nicht. Ein guter Anlass ist zum Beispiel ein Wechsel der vorgesetzten Person.
Darf ich Code und Kundennamen aus früheren Projekten zeigen?
Nur mit Erlaubnis. Geschäftsgeheimnisse dürfen Sie nicht verwerten oder weitergeben, auch nach dem Austritt nicht, soweit der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse hat (Art. 321a Abs. 4 OR). Beschreiben Sie Kunden anonym und zeigen Sie eigenen Code aus privaten oder Open-Source-Projekten.
Bewerbe ich mich auf Deutsch oder auf Englisch?
In der Sprache des Inserats. Ist es auf Englisch, schicken Sie Schreiben und Lebenslauf auf Englisch und geben Ihre Deutschkenntnisse mit GER-Niveau an. Zeugnisse legen Sie in der Originalsprache bei.
Was tue ich, wenn ein Arbeitszeugnis fehlt?
Verlangen Sie es schriftlich beim früheren Arbeitgeber, das Recht darauf steht in Art. 330a OR. Gibt es den Betrieb nicht mehr, legen Sie Arbeitsvertrag, Referenzschreiben oder Projektbestätigungen bei und erklären die Lücke in einem Satz.
Ratgeber als PDF
Der komplette Ratgeber plus Extras, die es nur im PDF gibt: eine Vorlage für Ihre Projektliste, ein Raster für Technologie-Stack, Abschlüsse und Sprachen, eine Checkliste vor dem Absenden und ein Mustertext für das Zwischenzeugnis. Kostenlos per E-Mail.
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Über den Autor
Jürgen Winkler ist Geschäftsführer der JobAdvice Swiss GmbH in St. Gallen, der Betreiberin von fachexperten-jobs.ch, und vermittelt seit vielen Jahren Fach- und Führungskräfte aller Branchen in Festanstellungen in der ganzen Deutschschweiz. Er ist Mitglied im Deutschen Presse Verband (DPV) und schreibt als Journalist über Arbeitsmarkt, Löhne und Grenzgänger in der Schweiz. Mehr über JobAdvice
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